Auf der Suche nach altem Holz

Wenn ein Stück Holz oder sogar ein ganzer Stamm in einem Kieswerk oder einer Baustelle zum Vorschein kommt, landet er oftmals als wertloser Kehricht in der Verbrennung. Für Wissenschaftler kann er jedoch Gold wert sein. Die Jahrringe uralter Hölzer können Umwelt- und Klimabedingungen präzise wiederspiegeln. Solche einmaligen Archive bieten die Möglichkeit, Wachstumsbedingungen vor Jahrtausenden zu rekonstruieren. Jahrringforscher der Eidg. Forschungsanstalt WSL sind deshalb stets auf der Suche nach solchen wertvollen Hölzern.

Immer wieder wurden den Forschern im Zuge von Aushubarbeiten in Zürich einzelne Holzfunde gemeldet. In enger Kooperation mit Jahrring-Laboren in der gesamten Schweiz weiten nun die WSL-Wissenschaftler ihre Kampagne "Auf der Suche nach altem Holz" systematisch aus.

Erste Fundmeldungen quer durch die Schweiz

So konnten in Zusammenarbeit mit dem lokalen Forstdienst in Celerina (GR) jüngst rund 70 Fichten und Föhren aus ca. 8 m Tiefe geborgen werden. Dieser Fund ergab sich im Zuge der Konstruktion eines Pumpwerks im Bezirk Maloja. Erste Radiokarbon (14C) Messungen im Labor für Ionenphysik an der ETH Zürich datieren die Bäume auf ca. 3500 Jahre v. Chr..

Weitere 50 Bäume wurden in der Nähe von Engi (GL) mit Unterstützung der lokalen Baufirma bei der Errichtung eines Hochwasserschutzwalles geborgen. Dieser Fund wurde vermutlich durch einen Murgang ca. 5-7 m tief verschüttet und im Lehm konserviert.

Nahe Aigle (VS) ermöglichte die Zusammenarbeit mit der Schweizer Holcim AG die Beprobung von 28 subfossilen Eichen aus einem Kieswerk. Erste dendrochronologische Messungen der Bäume ergaben, dass sie vor ca. 4300 Jahren v.Chr. eingeschlossen wurden

Weitere Puzzleteile gesucht

"Jeder Baum zählt!", betont Frederick Reinig. Als Doktorand an der WSL beschäftigt er sich derzeit mit der Analyse der 256 subfossilen Baumstrünke, welche 2013 im Zürcher Binz-Quartier gefunden wurden. "Dieser ca. 13,000 Jahre alte Fund ist auf Grund seiner Grösse und seines Alters einmalig", erläutert Reinig.

Um die Umweltbedingungen am Ende der letzten Eiszeit noch besser zu verstehen, braucht es jedoch weitere Holzproben. Kleinere Funde oder gar Einzelbäume können wichtige Puzzleteile sein, um zeitliche Lücken zwischen bisherigen Messungen zu schliessen.


Kontakt

-        Frederick Reinig, Tel. +41 44 739 23 86 und +41 76 731 79 00

-        Daniel Nievergelt, Tel. +41 44 739 21 11

-        Email: holz at wsl.ch

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